ST. JOHANN. Es tut sich was in St. Johann und das ist weithin sichtbar. Die Energiewende ist in der 5000 Seelen Gemeinde angekommen, Bagger beißen sich in die Landschaft und schaffen Platz für große Fundamente für neue höhere Strommasten. Die 380 KV-Höchstspannungsleitung zwischen Reutlingen-Rommelsbach und der Umspannanlage Herbertingen führt durch die Gemarkung und es wird zur Zeit fleißig geschafft in den Wäldern und auf den Feldern rund um Würtingen, Lonsingen, Gächingen. Es tut sich was in St. Johann, das auf den ersten Blick nicht so weithin sichtbar ist wie die riesigen Maulwurfshäufen der Stromtrasse. Die Gemeinde traut sich was, Verwaltung und Gemeinderat investieren und werkeln fleißig gemeinsam mit den Bürgern an der Zukunft.

Halbzeit 

Einer steht dabei in diesem Jahr besonders im Fokus: der Bürgermeister feiert Halbzeit. Vor vier Jahren wählten die St. Johanner Florian Bauer zu ihrem ersten Mann, für den Metzinger war es die erste Station als Schultes. Am 15. April 2015 trat der damals 40-Jährige seine neue Lebensaufgabe an und zieht ein interessantes Resumee. Kurz zusammengefasst: es wurde ein Gemeindeleitbild gemeinsam mit den Bürgern entwickelt, die Verwaltung ist transparenter geworden, unter anderem erlebt das jeder Rathausbesucher an den offenen Türen, es wurden die Weichen gestellt für die Erschließung von Bauland und zwischen all den alltäglichen Aufgaben grätschte dann auch noch die Flüchtlingskrise dazwischen. »Das hat uns überrascht, aber gemeinsam haben wir das gut gemeistert«, so Bauer. »Einige Flüchtlinge von damals sind immer noch da und heute in Lohn und Brot, das kann man gelungene Integration nennen.«

Apropos Integration: das Integrative Projekt des Landkreises, nachdem St. Johann als Inklusionsgemeinde ausgezeichnet worden ist, bleibt ihm besonders in Erinnerung an seine Anfänge. Allerdings hatte dies schon sein Vorgänger Eberhard Wolf angeregt, an Bauer und den Bürgern war es dann im Laufe des Jahres 2015, dieses umzusetzen. »Es ist zwar nicht mehr so präsent, aber das ganzheitliche Denken prägt unser Tun auch heute nach wie vor«, so der Schultes. Der monatliche Altennachmittag Älterado etwa ist eine der Konsequenzen daraus, die Barrierefreiheit an sich in der ganzen Gemeinde bleibt weiterhin ein wichtiges Ziel bei allen Planungen.

Wer wagt, gewinnt

Ganz konkrete Planungen gibt es für das Alte Schulhaus in Bleichstetten. Gerade hat die Gemeinde vom Denkmalamt die Genehmigung erhalten, im neuen Alten Schulhaus einen Aufzug einrichten zu dürfen. Überhaupt das Alte Schulhaus: es ist einer der Großbaustellen, die die St. Johanner in den nächsten Monaten und Jahren beschäftigen wird. Bisher durchlief es verschiedene Planungsphasen, für die Sanierung und Erweiterung, die insgesamt rund 2,1 Millionen Euro teuer wird, erhält die Gemeinde einen Zuschuss von einer halben Million Euro für den ersten Bauabschnitt aus dem Fond Entwicklung Ländlicher Raum. Im Jahr 2021 soll das Gebäude nach Sanierung und Erweiterung nutzbar sein, die Planungen dafür laufen auch schon. Die Bürgerinnen und Bürger denken gerade fleißig darüber nach, wie das Haus genutzt werden kann, wie belegt, welches Kulturprogramm passt, wie das mit dem Kindergarten läuft: Viele Ideen müssen dabei gesammelt und umgesetzt werden. Von der Allianz für Beteiligung erhielt der Arbeitskreis jüngst einen Zuschuss von 4000 Euro für die Planungen. Noch in diesem Jahr soll mit dem Bauvorhaben begonnen werden.

Ob die Grund- und Werkrealschule noch in diesem Jahr erweitert wird, konnte der Schultes nicht mit Bestimmtheit sagen. Nur soviel: Sie muss erweitert werden, weil die Räume nicht mehr ausreichen und die Schüler nach Würtingen drängen. Das versteht Bauer als gutes Zeichen für ein gutes Schulangebot. Insgesamt blickt Florian Bauer guten Mutes und mit viel Lust auf die kommenden Aufgaben, wie auch zurück. Denn nicht immer lief alles so nach Plan, aber seine Entscheidung sich für den Bürgermeisterposten auf dem Kispel zu bewerben, hat er noch nie bereut. Im Gegenteil: »Es war eine meiner besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.«                                                                                                                                                                                                                         

Mehrere Großprojekte in der Übersicht 

m Haushaltsplan sind die Weichengestellt. Die Gemeinde traut sich was und nimmt mächtig Geld in die Hand um wichtige Projekte anzugehen.

Kinderhaus Lonsingen: Für die Erweiterung gibt’s 540 000 Euro.

Breitbandversorgung: 600 000 Euro an Zuschüssebn fließen in die digitale Zukunft, zwei Drittel davon als Zuschüsse. 

Altes Schuhaus Bleichstetten: Erster Bauabschnitt schlägt mit etwa 1 Million Euro zu Buche. Das Gesamtvolumen beträgt rund 2,1 Millionen Euro, Zuschüsse bisher
500 000 Euro. 

Sanierung Kirchbergstraße in Lonsingen: Für Straßenbau stehen 300 000 Euro zur Verfügung.

Grund- und Werkrealschule: Entwicklung eines Erweiterungs- und Sanierungskonzepts: dafür gibt’s 600 000 Euro. »Nur wer investiert, schafft neue Werte«, sagt Bürgermeister Florian Bauer. »Wir wollen nicht nur Mangel verwalten.Zukunft zu gestalten bedeutet auch, sich was zu trauen«.                                                      –diet