REUTLINGEN/REGION. Grün war deutlich stärker vertreten bei den Mitteilungen von Wilhelm Schreyeck und Markus Nill bei der Jahresbilanz der Arbeitsagentur Reutlingen-Tübingen. Grün waren auf einer Jahresübersicht die Schlagzeilen von Januar bis Dezember 2018. Wie etwa: »November: Arbeitslosenbestand zuletzt vor 27 Jahren so niedrig.« Oder »Mai: Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit.« Doch es gab auch ganz wenige rote, also weniger erfreuliche Meldungen – »Arbeitslosenzahlen steigen im August stärker als erwartet.« Insgesamt aber dominierten bei der Jahresbilanz-Pressekonferenz der Arbeitsagentur die positiven Nachrichten. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber 2017 um mehr als 4500 auf 195 781 Personen.

Was laut Schreyeck durchaus bemerkenswert sei: Im Jahr 1998 wurden im Vergleich in den Zuständigkeitsbereichen der Agentur, also in den beiden Landkreisen Reutlingen und Tübingen, genau »nur« 152 752 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gezählt. 2018 sank die Arbeitslosenquote im Zuständigkeitsbereich der Reutlinger Arbeitsagentur durchschnittlich von 3,3 auf 3,0 Prozent, insgesamt waren damit noch 8510 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet.

Noch besser als der Kreis Reutlingen mit einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent schnitt der Landkreis Tübingen ab: 2,7 Prozent Arbeitslosigkeit wurden dort nach den Worten des Geschäftsführers der Reutlinger Agentur für Arbeit registriert. Das liege auch am stärker vertretenen Dienstleistungssektor in Tübingen sowie an solch großen Arbeitgebern wie der Universitätsklinik. Erfreulich sei laut Schreyeck, dass 2018 nahezu alle Branchen mehr Arbeitsplätze gemeldet hatten: Das verarbeitende Gewerbe (55 086 Beschäftigte), das Gesundheits- und Sozialwesen (34 396) und der Handel (23 761) beschäftigten in der Region am meisten Arbeitnehmer. Lediglich zwei Branchen konnten nicht profitieren und vermeldeten einen Rückgang an Beschäftigten von 3,8 Prozent. Erfreuliche Nachrichten habe es auch aus dem Bereich der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gegeben, wie Nill und Schreyeck betonten. 134 anerkannte Flüchtlinge hätten im vergangenen Jahr eine Ausbildung begonnen. »Geflüchtete werden immer mehr zu Migranten und tauchen auf dem Arbeitsmarkt auf«, betonte Wilhelm Schreyeck. Im Vergleich zum April 2016 habe sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Flüchtlinge im Aptil 2018 von 509 auf 1133 mehr als verdoppelt, so Markus Nill.

Aber: Trotz aller Erfolgsmeldungen sei der prozentuale Anteil der Langzeitarbeitslosen in der Statistik im Vergleich zwischen 2009 und 2018 sogar gestiegen: Obwohl die Zahl im Neun-Jahres-Vergleich von 2927 auf 2396 gesunken ist, stieg der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtzahl der Arbeitslosigkeit von 24,1 auf 28,2 Prozent. Das Fazit lautet also: »Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto schlechter werden die Chancen auf Integration«, so Schreyeck. »Das Thema beschäftigt uns schon seit vielen Jahren«, sagte der Reutlinger Agentur-Leiter. Die Bundesregierung hatte das ebenfalls erkannt und deshalb ein »Teilhabechancengesetz« verabschiedet: Arbeitgeber in allen Branchen, die Langzeitarbeitslose einstellen, sollen die ersten beiden Jahre 100 Prozent Lohnkostenzuschuss erhalten, in den Folgejahren jeweils 10 Prozent weniger. Zusätzlich werde sowohl dem Arbeitnehmer wie auch dem Arbeitgeber ein »Jobcoach« zur Seite gestellt, der bei Problemen helfend eingreifen soll. Was jetzt noch fehlt sind Firmenchefs, die sich auf die Beschäftigung der Menschen einlässt. Insgesamt rechnet Wilhelm Schreyeck damit, dass trotz schwächelnder Konjunktur die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen sich in der Region positiv weiter entwickeln.                                                                                                                                                                                             –nol