Wer glaubt, dass nach einem noch so klaren Verkehrsunfall alles von selber läuft, der hat noch keine Schadensregulierung ertragen müssen. Aus welchen Gründen auch immer, die Phantasie der Versicherungen, den Geschädigten um seinen Schadensersatz zu bringen, ist unerschöpflich.

Hierzu ein Beispiel aus einem Urteil des Amtsgerichts Hamburg-Barmbek vom 07.11.2016, Az.: 810 C 558/15: Es ging um längeren Nutzungsausfall.

Beim Nutzungsausfall hatte die Versicherung einen Tag abgezogen, weil sich der Unfall abends ereignet hatte.

Falsch: Einmal hatte der Geschädigte vom Unfallort bis zu seinem Wohnort gelangen müssen. Des Weiteren kommt es nach Auffassung des Gerichtes nicht nach verbleibenden Stunden am Unfalltag an. Im Sinne einer Rechtssicherheit kommt nur eine Pauschalierung in Betracht.

Die Versicherung wandte weiter ein, dass der Geschädigte die Möglichkeit gehabt hätte, an einzelnen Samstagen und ganz vereinzelt auch an Sonntagen auf ein kostenfreies Werkstattfahrzeug zuzugreifen.

Falsch: Der Schädiger wird nicht durch eine freiwillige Leistung Dritter entlastet. Die Werkstatt war auch aus keinem rechtlichen Gesichtspunkt verpflichtet, die Mobilität des Geschädigten sicherzustellen. Es handelt sich hierbei um eine reine Kulanzleistung zur Kundenbindung, die dem Schädiger nicht zugutekommen kann.

Dem Geschädigten wurde entgegengehalten, dass die Begutachtung des Fahrzeugs erst 10 Tage nach dem Unfall stattgefunden hat, deshalb Abzüge beim Nutzungsausfall.

Falsch: Der Geschädigte hatte seinerseits alles Erforderliche zur zügigen Schadensfeststellung getan und die Verzögerung lag nicht in seinem Verantwortungsbereich.

Die Versicherung hatte eingewandt, dass das Fahrzeug in den Weihnachtsfeiertagen sowie Silvester und Neujahr hätte vorrangig repariert werden müssen.

Falsch: Es gehört zum vom Schädiger zu tragenden Werkstattrisiko, dass ein verunfalltes Fahrzeug nicht vorrangig repariert wird.

Die Versicherung hatte eingewandt, dass eine Notreparatur möglich gewesen wäre.

Falsch: Die Fachwerkstatt hatte dies abgelehnt, was offenbar auch bekannt war, da auch bei einer Notreparatur das Fahrzeug aus Sicht der Fachwerkstatt nicht verkehrssicher gewesen wäre.

Dies sind nur einige Beispiele dafür, dass ein Geschädigter es alles andere als leicht hat, seinen Schaden korrekt durchzusetzen. Hierzu braucht er nicht nur professionelle Hilfe, sondern ohne Rechtsschutzversicherung kann man in solche Prozesse meistens nicht einsteigen, weil das Kostenrisiko viel zu hoch ist. Insbesondere nicht kalkulierbar hohe Sachverständigenkosten machen es einem Geschädigten ohne Rechtsschutzversicherung praktisch unmöglich, seine Ansprüche durchzusetzen.