Ein Thema, mit dem sich jeder Geschädigte, wenn er fiktiv abrechnet, auseinandersetzen muss, sind Beilackierungskosten. Dies sind Kosten, die dadurch entstehen, dass aufgrund von Lackbesonderheiten und anderen Gegebenheiten ein beschädigtes Teil zu lackieren ist, das danebenliegende Teil aber auch lackiert werden muss, weil sonst die Gefahr von Farbunterschieden besteht.

Seit einiger Zeit sind aber auch die Kaskoversicherungen dazu übergegangen, gegenüber ihren Kunden, also dem eigenen Versicherungsnehmer zu behaupten, die durch Rechnung belegten tatsächlichen Beilackierungskosten seien kein Teil des Schadens. Dies ist für den Geschädigten eine böse Überraschung, denn dabei können erhebliche Beträge zusammenkommen, die gekürzt werden.

Die VHV hat in einem solchen Fall ihren Versicherungsnehmer damit überrascht, dass sie rund 250,00 € abgezogen hat. Die von der VHV vertretene Auffassung ist aber nicht richtig.

Ausgangspunkt der Überlegungen sind die Bestimmungen der Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB). Danach sind von der Kaskoversicherung die bei einer vollständigen und fachgerechten Reparatur des Fahrzeugs erforderlichen Kosten zu erstatten. Würde ein Lackierer überhaupt nicht oder fehlerhaft beilackieren, so dass eine Farbungleichheit besteht, hätte der Geschädigte selbstverständlich einen Anspruch darauf, dass ordnungsgemäß, nämlich so lackiert wird, dass kein Farbtonunterschied besteht. Wer nun denkt, dass dieser Anspruch auch, wenn er an den Kaskoversicherer weitergegeben wird, erstattet wird, hat sich bei (manchen) Versicherungen getäuscht, siehe der oben genannte Versicherungsnehmer der VHV. Zu behaupten, dass die Beilackierung nicht versichert sei, steht nicht in den AKB. Die Auffassung der Versicherungen, die behaupten, dass das Beilackieren nicht versichert sei, wird meistens damit begründet, dass dies eine Frage der Wertminderung des Fahrzeugs sei. Dies ist natürlich nicht richtig, denn der Kunde hat einen Anspruch darauf, dass sein Fahrzeug wieder so hergestellt wird, wie es vor dem Unfall war. Dazu gehört gegebenenfalls Beilackierung. Es kommt also nicht darauf an, ob das Teil, welches beilackiert wird, seinerseits auch beschädigt war.

Dem Versicherungskunden bleibt unter diesen Umständen nur die Möglichkeit der Klage. Wenn er keine Rechtsschutzversicherung hat, ist er ganz arm dran, denn das Gericht wird möglicherweise auch noch einen Sachverständigen hinzuziehen, insbesondere dann, wenn plötzlich im gerichtlichen Verfahren auch noch die Erforderlichkeit des Beilackierens in Frage gestellt wird.

Wird die Erforderlichkeit nicht in Frage gestellt, ist es eigentlich nur eine Rechtsfrage, ob die Beilackierungskosten zu bezahlen sind.

Fragen Sie also bei Ihrer eigenen Versicherung nach, ob diese auch davon ausgeht, dass Beilackierungskosten nicht versichert seien.