Wer auf dem Weg von oder zur Arbeit ist, genießt einen sehr wichtigen und weitreichenden Unfallversicherungsschutz. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn jemand einen Unfall selbst verschuldet hat. Es handelt sich um eine soziale Absicherung, bei der der Weg von und zur Arbeit dahin abgesichert ist, dass im Fall eines Unfalls dieser, obwohl eigentlich eine Privatfahrt vorliegt, gleichwohl als Arbeitsunfall gilt.

Der Geschädigte genießt einen umfangreichen Schutz, nämlich zunächst einmal eine komplette ärztliche Versorgung und, und das ist ganz besonders wichtig, er ist im Falle von schweren Verletzungen, die zur Arbeitsunfähigkeit führen, durch eine lebenslängliche Rentenzahlung versichert.

Versicherungsschutz liegt allerdings nur dann vor, wenn sich der Versicherte auf einem direkten Wege von oder zur Arbeitsstelle befindet. Umwege und Unterbrechungen für mehr als zwei Stunden stehen nicht unter Versicherungsschutz. Die Frage, ob in einem konkreten Fall der Geschädigte vom normalen Weg abgewichen ist, ist Gegenstand vieler Gerichtsverfahren.

Mit einem solchen Fall hatte sich kürzlich auch das Landessozialgericht Baden-Württemberg in einem Urteil vom 30.06.2017, L 8 U 2034/14, zu befassen. In diesem Fall hatte die Geschädigte nach einem Besuch am Wochenende bei ihren Eltern auf dem Weg von den Eltern zur Arbeitsstelle einen Unfall erlitten. Dieser Weg war eine Stunde länger als der normale Weg von der Wohnung zur Arbeitsstelle. Das Besondere war, dass die Geschädigte am Wochenende ihre Eltern, die behindert waren, besucht hat und dann von den Eltern aus zur Arbeitsstelle gefahren ist. Die Berufsgenossenschaft hatte jegliche Zahlungen verweigert. Das Landessozialgericht kam allerdings zu dem Ergebnis, dass im vorliegenden Fall Versicherungsschutz zu gewähren ist. Zwar sei grundsätzlich nur der schnellste bzw. kürzeste Weg vom Wohnort zum Arbeitsplatz versichert, doch kann im Einzelfall auch ein anderer Ort als der häusliche Wohnort des Versicherten End- bzw. Anfangspunkt des versicherten Weges sein. Voraussetzung für ein Unfallversicherungsschutz von einem anderen Ort als dem Wohnort sei, dass der Aufenthalt an dem dritten Ort zuvor mindestens zwei Stunden andauerte. Diese Voraussetzungen lagen bei dem Wochenendaufenthalt bei den Eltern vor. Es muss aber auch über die zeitliche Mindestvoraussetzung hinaus ein sachlicher Zusammenhang mit dem Aufenthalt bestehen. Ein einfacher familiärer, verwandtschaftlicher Besuch hätte hierfür nicht ausgereicht. Hier ging es aber darum, dass die Geschädigte ihre Eltern, die pflegebedürftig waren, regelmäßig am Wochenende betreut hat. Damit lag eine andere Situation vor, als die eines normalen freundschaftlichen verwandtschaftlichen Besuchs bei den Eltern. Das Gericht hat aber betont, dass dies eine Ausnahmesituation sei. Hinzuweisen ist deshalb nochmals darauf, dass Abweichungen vom normalen Weg von und zur Arbeit in diesem Zusammenhang immer zu Problemen führen und die Ansprüche aus der Unfallversicherung in Frage stellen.