Unfall im Ausland
Im Hinblick auf die beginnende Ferienzeit hierzu einige Hinweise:
Bei einem Unfall im Ausland wird nicht nur meistens die Urlaubsfreude empfindlich gestört, sondern es geht häufig auch um die Frage, welche Schadensersatzansprüche man wie geltend und durchsetzen kann. Nach der 6. KH-Richtlinie der EU hat ein Geschädigter die Möglichkeit, eine Schadensabwicklung über eine deutsche Versicherung durchzuführen, denn im EU-Bereich haben die ausländischen Versicherungen eine Zusammenarbeit mit einer deutschen Versicherung zu vereinbaren, die die Schadensregulierung durchführt. Das gilt zusätzlich auch noch bezüglich Unfällen, die in der Schweiz mit einem dort zugelassenen Fahrzeug passieren. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass der Schadensregulierung immer das Schadensrecht zugrunde gelegt wird, in dem der Unfall passiert ist. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn beispielsweise in Italien zwei in Deutschland zugelassene Fahrzeuge, deren Halter ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort auch in Deutschland haben, einen Unfall hatten. Dann erfolgt die Regulierung nach deutschem Schadensrecht, allerdings gilt das ausländische Straßenverkehrsrecht.
Von ganz besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass sich das deutsche Schadensrecht vom ausländischen Schadensrecht zum Teil ganz erheblich unterscheidet. Die Kollegen Neidhart und Nissen haben bereits in 6. Auflage sich mit dem Thema Verkehrsunfälle in Europa beschäftigt und Schadensabwicklungen für 20 Reiseländer dargestellt. Nur beispielhaft greife ich heraus:


Frankreich:
Wertminderung allenfalls gerichtlich oder nur unter engen Voraussetzungen möglich; Mietwagenkostenerstattung oft nur unter hoher Eigenbeteiligung; geringe Nutzungsausfallentschädigung; weder Unkostenpauschale noch Übernahme der Schadensfinanzierung; angemessener immaterieller Schadensersatz (Schmerzensgeld) nur mit Hilfe französischer Gutachter und Anwälte durchsetzbar.


Italien:
Gutachterkosten nur prozessual erstattbar; außergerichtlich nur selten Wertminderung; Nutzungsausfall 15,00 bis 50,00 € täglich pauschal, bei Totalschaden etwa 10 Tage; keine Unkostenpauschale.


Spanien:
Keine Erstattung außergerichtlicher Rechtsanwaltskosten durch die Gegenseite; keine Erstattung von Sachverständigenkosten, Nutzungsausfall, Schadensfinanzierung und Unkostenpauschale; allenfalls gerichtlicher Zuspruch von Wertminderung und Mietwagenkosten.
Zu all dem kommen noch Beweisschwierigkeiten und Verständnisschwierigkeiten.
Es ist unter diesen Umständen dringend zu empfehlen, vor dem Urlaub, sofern nicht vorhanden, eine Kaskoversicherung abzuschließen. Eine Rechtsschutzversicherung sollte
man sowieso haben, wenn man in das Ausland reist, erst recht.
Denken Sie in diesem Zusammenhang auch unbedingt an eine Auslandskrankenversicherung und lassen Sie sich von einem der Automobilclubs beraten bezüglich des Angebots auf Fahrzeugrückholung und Rückholung von Personen, Mietwagen, u. a.
Natürlich macht das alles Mehrkosten. Manche Versicherungen haben Sie vielleicht sowieso schon. Überprüfen Sie dies also, damit nicht ein Unfall auch noch ein finanzielles Chaos auslöst.