Ein Jogger war bei Dunkelheit auf einem innerörtlichen Gehweg gelaufen. Auf einer Größe von 68 x 135 cm war ein Schaden auf dem Gehweg mit Splitt aufgefüllt, aber versehentlich nicht asphaltiert worden, so dass eine leichte Unebenheit entstanden war. Der Untergrund in diesem Bereich war Splitt. Der Jogger war in die Vertiefung getreten und hatte sich dabei eine Außenbandruptur, Verletzung der Bänder und Gelenke, also schwere Verletzungen zugezogen. Das Oberlandesgericht Saarbrücken hat in einem Urteil vom 05.08.2015, Aktenzeichen 1 U 31/15 unter anderem folgendes ausgeführt:

Grundsätzlich sei die Gemeinde natürlich verpflichtet gewesen, den Gehweg in einem ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten, d.h., den Splitt mit einem entsprechenden Belag zu verschließen.

„Grundsätzlich muss sich der Straßenbenutzer allerdings den gegebenen Straßenverhältnissen anpassen und die Straße so hinnehmen, wie sie sich ihm erkennbar darbietet. Der Verkehrssicherungspflichtige muss in geeigneter und objektiv zumutbarer Weise alle, aber auch nur diejenigen Gefahren ausräumen und erforderlichenfalls vor ihnen warnen, die für den Benutzer, der die erforderliche Sorgfalt walten lässt, nicht oder nicht rechtzeitig erkennbar sind und auf die er sich nicht oder nicht rechtzeitig einrichten kann.

Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Straße oder ein Gehweg schlechthin gefahrlos und frei von allen Mängeln sein muss. Eine vollständige Gefahrlosigkeit der Straße und ihrer Benutzung kann mit zumutbaren Mitteln nicht erreicht und vom Verkehrsteilnehmer nicht erwartet werden. Auch der Fußgänger muss bei Benutzung des Bürgersteigs mit gewissen Unebenheiten rechnen und sich darauf einstellen. So muss etwa der Bürgersteig auch einer verkehrsreichen Hauptstraße nicht völlig frei von Mängeln sein und verlangt die Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht nicht, dass dieser keine Unebenheiten aufweise, da so weitgehende Anforderungen dem Verkehrssicherungspflichtigen nicht zumutbar sind.“

Im konkreten Fall gab es noch Feststellungen dazu, dass der Jogger mit erhöhter Sorgfalt auf die Unfallstelle hätte zulaufen müssen. Des Weiteren wäre die nicht geteerte Fläche bei genügender Aufmerksamkeit wahrnehmbar gewesen. Auch die Vertiefung war nur äußerst gering.

Letztlich hat das Gericht ausgesagt:

„Das Joggen in Dunkelheit, auf einem Gehweg, der keine einheitliche Oberflächenbeschaffenheit aufweist, ist zwar ein weit verbreitetes und legitimes Vorgehen, erfordert aber eine gesteigerte Sorgfaltspflicht. Aufgrund der schnellen Fortbewegung ist das Sturzrisiko erhöht und die Wahrnehmungs- sowie Reaktionsgeschwindigkeit eingeschränkt.“

Das Gericht hat letztlich keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde festgestellt, die zu einem Schadensersatzanspruch des Joggers geführt hätte, bei den schweren Verletzungen des Joggers sicher eine Enttäuschung.