Das Landgericht Mönchengladbach hat mit einem Urteil vom 09.01.2017, Aktenzeichen – 11 + 233/15 über einen Fall zu entscheiden gehabt, bei dem ein Pkw-Fahrer im Rahmen eines Abbiegemanövers in die Gegenfahrbahn eingefahren war. Der entgegenkommende Motorradfahrer hat auf diese Verkehrssituation allerdings überzogen reagierte. Er war gestürzt, so dass Personen- und Sachschaden entstanden war.
Dem gegenüber stand aber, dass der Pkw-Fahrer durch sein Fehlverhalten Anlass für die Vollbremsung des Motorradfahrers gegeben hatte. Er hätte nämlich die Kollision ohne weiteres vermeiden können, ebenso das notwendige Abbremsen, wenn er den Vorrang des Gegenverkehrs beachtet und nicht abgebogen wäre.
Die Frage war nun, ob dem Motorradfahrer sein schuldhaftes Verhalten im Rahmen der zivilrechtlichen Auseinandersetzung zum Nachteil gereicht in Form einer Mithaftung. Zugunsten des Motorradfahrers war zu berücksichtigen, dass es sich um eine Spontanreaktion auf eine Konfliktsituation handelte. Diese hatte der Motorradfahrer nicht selber herbeigeführt. Die von ihm objektiv fehlerhafte Reaktion war nämlich durch das vorherige verkehrswidrige Verhalten des anderen Verkehrsteilnehmers hervorgerufen worden. Eine solche spontane Überreaktion wäre auch dann nicht vorwerfbar, wenn aus nachträglicher Sicht ein anderes Verhalten zweckmäßiger gewesen wäre.
Davon wäre nur dann auszugehen gewesen, wenn es sich bei der Reaktion des Motorradfahrers um eine unverständliche und unverzeihliche Fehlreaktion gehandelt hätte. Dies war im vorliegenden Fall aber nicht gegeben, denn hier war eine Bremsung lediglich aufgrund einer Schrecksituation intensiver durchgeführt worden, als dies tatsächlich notwendig gewesen wäre.
Der Motorradfahrer musste sich innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden, ob er ausweichen will, ob er abbremst und wie stark er abzubremsen hat, um einen Unfall zu vermeiden. Auch wenn sich aus einer nachträglichen Betrachtung der Umstände ergibt, dass eine bestimmte Verhaltensweise die bessere gewesen wäre, dann handelt es sich hierbei nicht um eine unverständliche und unverzeihliche Fehlreaktion, sondern immer noch um ein verständliches Verhalten.
Die Folge im hier genannten Prozess: Die Haftung wurde mit 100 % zu Lasten des abbiegenden Fahrzeugführers entschieden.