In § 3 Abs. 1 StVO ist eine ganze Menge über das Sichtfahrgebot ausgesagt. Der Kernsatz lautet:
„Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann.“ Nur Fahren auf Sicht erlaubt es, rechtzeitig anzuhalten.
Diese Grundsätze sollen davor schützen, dass auf Hindernisse, gleich welcher Art, aufgefahren wird. Dies gilt auch für Kollisionen mit Entgegenkommenden.
Die Übersehbarkeit einer Strecke kann durch die verschiedensten Umstände beeinträchtigt werden, eine Kurve, Kuppe, die Witterung, Dunkelheit und Nebel. Aber auch eine schlechte Beleuchtung oder Blendung schränken die Sicht bekanntlich ein. Dies alles muss der Fahrer mit berücksichtigen. Unbehindert ist der Überblick nur dann, wenn der Fahrer sieht, dass die soeben zu befahrende Strecke frei ist, auch bei ungünstigster Sicht. Nicht außer Acht zu lassen ist aber auch außer der überblickbaren Strecke der individuelle Anhalteweg des Kraftfahrzeuges, der sehr unterschiedlich sein kann.
Das Sichtfahrgebot betrifft nur die Sicht vor dem Fahrzeug. Das Gebot gilt nur für Hindernisse, welche sich bereits auf der Strecke befinden, nicht aber für solche, die von der Seite hereinkommen. Derjenige, der beispielsweise die Vorfahrt verletzt, kann dem Vorfahrtberechtigten nicht mit Aussicht auf Erfolg vorwerfen, er habe das Sichtfahrgebot verletzt. Grundsätzlich kann auf einer guten breiten Straße mit guter Decke, auch bei Feuchtigkeit und Nässe, mit erheblichen Geschwindigkeiten gefahren werden, gleichwohl muss der Anhalteweg innerhalb der Sichtweite bleiben. Bei Schnee- und Eisdecke muss der Anhalteweg ebenfalls innerhalb der Sichtweite bleiben und je nach den Umständen wird dies wesentlich kürzer sein. Hier kann die geforderte Geschwindigkeit bei einer Schrittgeschwindigkeit liegen.
Immer wieder spielen Kollisionen eine Rolle auf Autobahnen, wenn jemand mit einem unbeleuchteten Hindernis kollidiert. Hier hat die Rechtsprechung ganz eindeutig gesagt, dass mit solchen unbeleuchteten Hindernissen gerechnet werden muss. Etwas anderes gilt nur bei schwer erkennbaren Hindernissen, wie beispielsweise einem verlorenen Reifen oder Reifenteilen.
Auf der Autobahn gibt es dann gemäß § 18 StVO noch die Besonderheit, dass derjenige, welcher mit Abblendlicht fährt, seine Geschwindigkeit nicht der Reichweite des Abblendlichts anzupassen braucht, wenn er die Schlussleuchten des vorausfahrenden Kraftfahrzeuges klar erkennen kann und einen ausreichenden Abstand einhält. Das Gleiche gilt, wenn der Verlauf der Fahrbahn durch entsprechende Einrichtungen deutlich erkennbar ist.
Grundsätzlich gilt aber, dass bei Abblendlicht nur so schnell gefahren werden darf, dass in der übersehbaren Strecke angehalten werden kann, wenn es Not tut.