Von den Kollegen Hillmann/Schneider ist gerade die 7. Auflage ihres Werkes „Das verkehrsrechtliche Mandat“ erschienen. Diese Kollegen werden von einer Vielzahl im Verkehrsrecht tätiger Anwälte über das informiert, was im Verkehrsrecht/Schadensrecht in Deutschland läuft. Was sie generell für ein Bild zeichnen, in welcher Art und Weise Geschädigte von den Versicherern um ihr Geld gebracht werden, ist mit dem Ausdruck „verheerend“ zu bezeichnen. Beschrieben wird, dass möglichst schnell mit dem Geschädigten Kontakt aufgenommen wird, was sicher in Ordnung ist, aber die Zielrichtung ist es, zu erreichen, dass der Geschädigte keinen Zugang zu einem freien Sachverständigen, zu einem freien Mietwagenunternehmen, neuerdings sogar auch zu freien Fachwerkstätten kommt, und insbesondere, dass er keinen Kontakt zu einem Anwalt bekommt. Es ist natürlich nicht erwünscht, dass sich jemand zu Gunsten des Geschädigten mit der Sache beschäftigt, der die Sach- und Rechtslage kennt. Wörtlich zitiert:

„Der Geschädigte erhält die Mitteilung, er brauche sich von nun an um nichts mehr zu kümmern. Ihm werde sofort mit einem Tieflader ein Mietwagen gebracht, der beschädigte Wagen werde im Gegenzug gleich mitgenommen und in eine sogenannte Vertrags- oder Vertrauenswerkstatt gebracht. Dort werde – so wird versprochen – der Wagen zunächst von einem Sachverständigen begutachtet, perfekt repariert und anschließend mit einem Tieflader im Austausch gegen den Mietwagen wieder zum Geschädigten gebracht. Der Geschädigte sei ja „Kunde“ des (gegnerischen) Versicherers und werde auch als solcher behandelt.

Tatsache ist jedoch, dass der Wagen in eine Werkstatt gebracht wird, die auf ein bestimmtes, jedoch dem beschädigten Fahrzeug nicht entsprechendes Fabrikat spezialisiert ist. Meistens verbirgt sich dahinter aber auch nur eine reine Karosseriewerkstatt, die zu Dumping-Preisen für die Versicherer arbeitet, um so an Reparaturaufträge heranzukommen. Ein dortiger Kfz-Meister gibt sich dann als der versprochene „Sachverständige“ aus, macht aber nichts weiter, als das beschädigte Auto mit einer Digitalkamera zu fotografieren und die Fotos via Internet an die gegnerische Versicherung zu schicken. Dort sitzt dann ein Versicherungsmitarbeiter mit mehr oder minder vorhandenem Sachverstand und begutachtet den Schaden vor dem Computer. Er gibt den Reparaturweg vor, den dann die Werkstatt zu beachten hat. Der Geschädigte erfährt von all dem gar nichts und wiegt sich sogar in Sicherheit, dass alles in der versprochenen Weise optimal reguliert wird. Erst Tage später sieht sich dann der Geschädigte mit dem vom gegnerischen Versicherer an ihn herangetragenen Abzügen und Forderungen nach Beteiligung an den Schadensaufwendungen des Versicherers konfrontiert und fragt nach einer Unkostenpauschale, Schmerzensgeld und Nutzungsausfall und dergleichen.“

Hillmann/Schneider verweisen dann auch noch auf Folgendes:

„Eine etwaige Mithaftung wird dann – wie zuvor schon erwähnt – später im Wege der Rückforderung geltend gemacht. Auch alle übrigen Einwendungen (Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht, zu lange Mietwagen-Inanspruchnahme, Abzüge Neu für Alt, usw.) werden erst dann erhoben, wenn schon alles gelaufen ist.

So erwacht dann mancher Geschädigter jäh aus seiner vermeintlichen Sicherheit, der gegnerische Versicherung werde den Schaden vollständig und sachgerecht regulieren.“

Man darf sich nichts vormachen: Der Versicherer hat nichts zu verschenken, im Gegenteil: Er will sparen. An wem will er sparen? Am Geschädigten, sonst gibt es nichts zum Sparen, also kann der Versicherer nicht der Freund des Geschädigten sein, der alles in dessen Sinne bestens regelt. Er muss vielmehr dem Geschädigten so viel wie möglich abzwacken. Dass dabei die Grenzen dessen, was eigentlich erlaubt ist, überschritten werden, ist in den Zitaten bei Hillmann/Schneider eindrücklich nachzulesen.

Wörtlich noch einmal bei Hillmann/Schneider:

„Es gibt somit nur ein einziges Opfer, das bei diesen Machenschaften auf der Strecke bleibt: Der Geschädigte. Verfügt er über keine Rechtsschutzversicherung, dann ist er wehrlos und bleibt rechtlos. Er hat dann keine Möglichkeit, sich gegen die wirtschaftliche Dominanz der Assekuranz zur Wehr zu setzen.“

Fazit: Rechtsschutz und sofortige professionelle Vertretung – nur so kann der Geschädigte seine Rechte sichern und durchsetzen. Die Rechtsschutzversicherung wird benötigt, wenn es eine Auseinandersetzung gibt. Ohne Auseinandersetzung werden die Anwaltskosten zu 100 % bezahlt, bei einer Teilregulierung erfolgt die Honorierung aus dem Wert des regulierten Teils, fällt also soweit auch nicht dem Geschädigten zur Last.