Dieser Begriff führt ein Schattendasein, vielleicht auch deshalb, weil ein Verstoß gegen die Richtgeschwindigkeit nicht mit einer Geldbuße bedroht ist. Geregelt ist das Ganze über eine Verordnung über eine allgemeine Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen und ähnlichen Straßen. Danach wird Führern von Personenkraftwagen sowie von anderen Kraftfahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 3,5 Tonnen empfohlen, auch bei günstigen Straßen, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen auf Autobahnen, unter anderen Straßen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, nicht schneller als 130 km/h zu fahren. Es ist ein Appell des Verordnungsgebers an das Verantwortungsbewusstsein der Kraftfahrer, besonders unerfahrenen und legt ihnen die sanktionslose Rechtspflicht auf, die Empfehlungen stets zu bedenken, soweit sie nicht nach allen stets wechselnden Umständen der Gefahrlosigkeit des Schnellerfahrens gewiss sein können.
Zivilrechtlich allerdings kann eine Überschreitung der Richtgeschwindigkeit durchaus Konsequenzen haben. Nach fast einiger Rechtsprechung kann sich derjenige, der mit seinem Fahrzeug die Richtgeschwindigkeit deutlich überschreitet, nicht auf eine Unabwendbarkeit des Unfalls berufen. Er müsste dann nachweisen, dass auch bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h der Unfall mit den gleichen Folgen passiert wäre.
Wer also mit mehr als 130 km/h fahrend, in einen Unfall verwickelt wird muss damit rechnen, wenn ihn auch kein Verschulden trifft, dass er sich die Betriebsgefahr seines Fahrzeugs anrechnen lassen muss. Wie hoch diese Betriebsgefahr anzurechnen ist, hängt wiederum davon ab, mit welcher Geschwindigkeit gefahren wurde. Hierzu gibt es verschiedene Urteile, beispielsweise ein Abzug von 20 % bei 160 km/h, 25 % bei 180 km/h, aber immerhin 40 % bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h.
Man muss das Ganze auch vor dem Hintergrund sehen, dass sehr hohe Geschwindigkeiten grundsätzlich eine Gefahrenquelle darstellen, auch für andere Verkehrsteilnehmer. Es ist nicht immer einfach, sich auf sehr hohe Geschwindigkeiten einzustellen, weil man sie als Verkehrsteilnehmer nicht so schnell erkennt und damit die besonders hohe Geschwindigkeit unterschätzt.
Letztlich geht es dann, wenn ein solcher Fall überhaupt zum Tragen kommt, immer um ganz erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen. Geringe Überschreitungen bis 20 km/h führen nicht dazu, dass es Abzüge unter dem Gesichtspunkt der Betriebsgefahr gibt.
Die ansonsten sanktionslose Mahnung des Verordnungsgebers, die Richtgeschwindigkeiten zu beachten, sollte man nicht gänzlich beiseiteschieben.