Zunächst einmal ist zu klären, um was es sich bei einem Restwert handelt. Im Falle eines Totalschadens schätzt ein technischer Sachverständiger den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs. Gleichzeitig ermittelt er, so will es die Rechtsprechung, aus dem regionalen Bereich drei Anbieter für den meist vorhandenen Wert des beschädigten Fahrzeuges (Restwert).

Die Abrechnung sieht beispielweise so aus: Wiederbeschaffungswert des Fahrzeug,

4.000,00 €

Restwert                                                                                                          500,00 €

Bei 100 %-iger Haftung Entschädigung durch die Versicherung:               3.500,00 €

Die fehlenden 500,00 € werden über den Aufkäufer des Fahrzeugs hereingeholt.

Schon diese Konstellation bereitet manchen Geschädigten Probleme, weil sie meinen, sie würden neben dem gesamten Wiederbeschaffungswert auch den Restwert des Fahrzeugs bekommen. Dies ist natürlich nicht der Fall, denn mehr als den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs kann ein Geschädigter nicht beanspruchen.

Das alles sieht noch relativ einfach aus. Schwierig wird es dann, wenn die Versicherung über das Internet höhere Restwertangebote einholt. Die Frage ist, unter welchen Voraussetzungen der Geschädigte auf dieses Restwertangebot eingehen muss, ohne sich den Vorwurf einzuhandeln, er hätte den Schaden mindern und das bessere Restwertangebot über die Versicherung akzeptieren müssen. Grundsätzlich kann der Geschädigte sich auf die Ermittlungen des Sachverständigen verlassen. Wenn das Fahrzeug allerdings noch nicht verkauft ist und es ihm möglich wäre, es günstiger zu verkaufen, muss er dies tun. Über diese Fallgestaltung wird häufig gestritten.

 

Was ist aber, wenn der Geschädigte das unfallbeschädigte Fahrzeug selbst weiterbenutzen will? In einem vom Oberlandesgericht München entschiedenen Fall (Aktenzeichen 10 U 1073/16) war die Fallgestaltung so, dass der Sachverständige des Geschädigten einen Restwert von 500,00 € ermittelt hatte, das Restwertangebot über die Versicherung betrug 1.500,00 €, also hätten dem Geschädigten 1.000,00 € gefehlt. Das Oberlandesgericht hat aber entschieden, dass in einem solchen Fall der Restwert Gültigkeit hat den der Sachverständige vor Ort, also im regionalen Markt ermittelte.

Jetzt kommt das Interessante: Dass dieser Fall überhaupt an das Oberlandesgericht gehen musste, ist völlig unverständlich. Der Bundesgerichtshof hat bereits mit einem Urteil von 2007 (NJW 2007 Seite 1674) in gleicher Weise entschieden. Gleichwohl hat die Versicherung es auf diesen Prozess bis zum Oberlandesgericht ankommen lassen in Kenntnis der eindeutigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs.

Was lernt man daraus: Im Schadensrecht gibt es nichts, was noch so klar erscheint, was nicht doch bestritten wird, und um das man prozessieren muss. Darauf sollte sich jeder einstellen.