Das Oberlandesgericht München hat in einer Entscheidung vom 16.09.2016, AZ: 10 U 750/13, über folgende Fallgestaltung zu entscheiden gehabt:

Herr K war bei Dunkelheit von dem Fahrzeugführer B auf dem Fußgängerüberweg angefahren worden. Hierzu hatte das Gericht zunächst festgestellt, dass zwar der Kraftverkehr gegenüber Fußgängern bevorrechtigt ist (§ 25 Abs. 3 StVO), sofern nicht, wie hier, ein Fußgängerüberweg vorliegt (§ 25 Abs. 3 Ziffer 1, Zeichen 293, § 26 Abs.1 StVO). Das grundsätzliche Verschulden des Fahrers B des Fahrzeugs hatte sich daraus ergeben, dass dieser mit zu hoher Geschwindigkeit auf den Fußgängerüberweg zugefahren ist. Zwar konnte festgestellt werden, dass die Ausgangs- und Kollisionsgeschwindigkeit des Beklagtenfahrzeugs zwischen 48 und 50 km/h lag. Diese Geschwindigkeit war aber nach Ansicht des Gerichts an dieser Unfallstelle zu hoch. Herr B musste aufgrund seiner Ortskenntnis und im Hinblick auf die Tageszeit mit einem erhöhten Aufkommen von Fußgängern rechnen.

Der Fußgänger bekam aber nicht den vollen Schadensersatz. Das Gericht hat weiter festgestellt:

„Dem Beklagten wiederum ist es gelungen, ein Mitverschulden des Klägers nachzuweisen. Nach den Ermittlungen des Sachverständigen K war das herannahende Fahrzeug des Beklagten zu 1 für den Kläger nämlich ausreichend lange sichtbar, so dass er bei Beachtung des Fahrverhaltens des Beklagten zu 1 (ungebremste Weiterfahrt) und bei entsprechendem Verzicht auf die Überquerung des Zebrastreifens den Unfall hätte vermeiden können. Auch an Fußgängerüberwegen dürfen Fußgänger ihren Vorrang weder erzwingen noch achtlos auf den Überweg treten. Besonders wie hier im Dunkeln hat der Überwegbenutzer den Fahrverkehr mit Sorgfalt zu beachten und bei erkennbarer Gefährdung durch nahe Fahrzeuge (hier 34 bis 39 m) abzuwarten.“

Kommt es also bei einem Verkehrsunfall zur Kollision zwischen einem Fußgänger, der einen Fußgängerüberweg im Dunkeln und bei Annäherung eines Fahrzeuges überquert, mit einem Fahrzeug, dessen Fahrer die Bevorrechtigung des Fußgängerwegs missachtet und mit nicht angepasster Geschwindigkeit fährt, rechtfertigt das Mitverschulden des Fußgängers eine Haftungsverteilung von ¾ zu ¼ zu Lasten des unfallbeteiligten Fahrzeugführers, so jedenfalls das Oberlandesgericht München. Auch ein Fußgänger darf also sein Vorrecht nicht erzwingen, ganz abgesehen davon, wie gefährlich dies für ihn ist. Schon aus eigenem Interesse treffen auch den Fußgänger, trotz seiner Bevorrechtigung, am Fußgängerüberweg Sorgfaltspflichten, die dringend zu beachten sind. Thomas Rogge, Rechtsanwalt