Alle Appelle an Vernunft und Anstand haben nichts genützt. Wenn, insbesondere ein schwerer Verkehrsunfall passiert, findet sich sofort eine größere Menschenmenge ein, die nichts Besseres zu tun hat, als zu filmen und zu fotografieren oder herumzustehen und sich das Ganze anzusehen, statt zu helfen. Viele Hinweise der Polizei darauf, dass diese Gaffer die Rettungsdienste behindern, wobei auch ganz konkrete Fälle hierzu berichtet werden, haben nichts genützt.

 

Diese Sensationslust mancher Mitmenschen ist so groß, dass sie alles vergessen, was eigentlich Anstand und Hilfsbereitschaft bedeutet. Was bewegt Menschen dazu das Unglück anderer Mitmenschen zu filmen und zu fotografieren? Was geht in jemand vor, der dies tut, obwohl er bemerkt, dass er Rettungsdienste und Polizei behindert? Nachdem alle Appelle nichts genutzt haben, sieht sich nun der Gesetzgeber genötigt, einzugreifen. Das Ganze vor dem Hintergrund, dass tatsächlich das geltende Recht nicht ausreicht, um Gaffer von ihrem Tun abzuhalten. Bestraft werden kann nämlich bei Behinderungen von Rettungsarbeiten nur dann jemand, wenn die Behinderungen durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt erfolgen.

 

Deshalb soll zukünftig auch unter Strafe gestellt werden, wenn kein tätlicher Angriff vorliegt, sondern nur eine Behinderung. In diesem Zusammenhang soll auch der Schutzbereich des § 201 a Strafgesetzbuch erweitert werden, wonach Bildaufnahmen verstorbener Personen verboten werden. Wer also künftig bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistungen von Feuerwehr und den anderen Rettungsdiensten behindert, kann also auch dann bestraft werden, wenn ein Sitzen oder Stehenbleiben vorliegt, ohne Gewaltanwendung.

 

Zu Recht wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Staat zu viel in Bürgerrechte eingreifen würde, also zu viel Regeln aufstellt. In diesem Fall aber ist es so, dass eine Regelung, wie sie vorgesehen ist, offensichtlich unumgänglich ist. Wenn jahrelange Diskussionen und Hinweise überhaupt nichts nützen, bleibt offenbar nichts anderes übrig, als mit einer Strafdrohung zu arbeiten. Inwieweit Rettungskräfte und hier insbesondere die Polizei die Zeit haben, bei einem Unglück, sich auch noch mit den Gaffern zu beschäftigen und diese anzuzeigen, bleibt offen. Es ist zu befürchten, dass die Gaffer nicht weniger werden.