In § 25 Abs. 3 StVO ist geregelt, wie sich Fußgänger in Bezug auf Fahrbahnen zu verhalten haben. Dabei hat der Fußgänger bei Überschreiten einer Fahrbahn sich nach beiden Richtungen zu orientieren. Außerhalb von Fußgängerüberwegen hat der Fahrzeugverkehr Vorrang vor dem Fußgänger. Die Fahrbahn dient nämlich in erster Linie dem Fahrzeugverkehr. Dies bedeutet andererseits, dass der Fußgänger jede Fahrbahn nur ganz besonders sorgfältig überqueren darf. Der Fußgänger darf eine Fahrbahn erst betreten, wenn er davon überzeugt ist, dass er keinen Fahrzeugführer gefährdet oder behindert. Er hat schlicht und einfach bei Annäherung eines Fahrzeuges zu warten.


Diese Grundsätze hat auch das Oberlandesgericht München in einem Urteil vom 10.11.2017, AZ: 10 U 491/17, noch einmal verdeutlicht:
Die erst 14-jährige Klägerin hatte nach Ansicht des Gerichts grob fahrlässig gegen die Regelungen aus § 25 Abs. 3 StVO verstoßen. Für sie deutlich sichtbar war von links ein Pkw gekommen. Sie war in diesen, und zwar im hinteren Bereich, buchstäblich hineingelaufen. Ein Mitverschulden des Pkw-Fahrers war nicht nachweisbar. Die Frage war nun, ob eine Mithaftung des Pkw-Fahrers unter dem Gesichtspunkt der Betriebsgefahr in Betracht kommt. Ein Verschulden des Pkw-Fahrers stand nicht zur Debatte. Das Gericht hat dann allerdings festgestellt, dass das Verschulden der Klägerin so schwer wiege, dass dahinter die allgemeine Betriebsgefahr des beklagten Pkw-Fahrers zurücktrete.


Der Pkw-Fahrer muss sich gemäß § 3 Abs. 2 a StVO gegenüber Kindern, Hilfsbedürftigen oder älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist. Dies half der Klägerin im vorliegenden Fall allerdings nicht, weil sie zum Unfallzeitpunkt bereits 14 Jahre alt, und damit kein Kind mehr im Sinne dieser Vorschrift, war. Das Begehren der Klägerin, Schadensersatzansprüche für die Unfallfolgen zu bekommen, blieb also erfolglos.