Herr K fühlte sich durch die Fahrweise des Herrn B behindert. Er verfolgte ihn mit seinem Fahrzeug, und stellte ihn vom Fahrzeug aus zur Rede. Dann stellte er sein Fahrzeug ab, ging zu Fuß zum Fahrzeug des B. Er schlug im Rahmen des Disputs auf das Fahrzeug des B ein und versuchte die Fahrertür zu öffnen. B fuhr mit seinem Fahrzeug davon, wobei er über den Fuß des K fuhr und dieser stürzte und Verletzungen erlitt. Nach den Angaben des B war dieser angebrüllt worden. Er hatte K aufgefordert, er werde die Polizei rufen. Darauf habe K geantwortet, er soll doch die Polizei rufen, habe aber gleichzeitig auf das Auto eingeschlagen und versucht die Tür zu öffnen. K machte Schadensersatzansprüche gegenüber Herrn B geltend. Das Amtsgericht gab ihm auch Recht, allerdings war das Landgericht Karlsruhe, Urteil vom 10.06.2016, Aktenzeichen 20 S 16/16 anderer Meinung.

Zunächst hat das Gericht K nicht abgenommen, dass dieser sein Anliegen in besonnener Weise, in ruhiger Stimmung und allein vernunftgeleitet gegenüber B vorgebracht habe. Das Gericht war der Meinung, jemand, der einen Vorfall wie den vorliegenden, nicht nach kurzer Zeit auf sich beruhen lassen könne, sondern dem anderen Verkehrsteilnehmer auf eine längere Strecke hinterherfahre, neben ihm anhalte, und ihn zur Rede stelle, dies nur tue, wenn er im hohen Maße erregt sei.

Das Gericht hat u.a. ausgeführt:

„Der Kläger brachte den Beklagten zu 1 hiernach nicht nur dazu, das Weite zu suchen, sondern hätte hiermit auch rechnen müssen. Es ist plausibel, dass der Vorgang auf den Beklagten 1 sehr bedrohlich wirkte, diesen in entsprechende Anspannung versetzte und der Beklagte zu 1 sich entschloss, dem aus dem Wege zu gehen, indem er davonfuhr. Es wäre unter diesen Umständen Sache des Klägers gewesen, soweit vom Fahrzeug zurückzutreten, dass ihm nichts passieren konnte. Dies gelte umso mehr unter Berücksichtigung des Vortrags in der Klageschrift, nach welcher der Kläger dem Beklagten, nachdem dieser sich in Bewegung setzte, zunächst aufforderte zu warten bis die Polizei da wäre, bevor der Beklagte zu 1 weiter und dem Kläger über den Fuß fuhr. Der Kläger hatte hiernach ausreichend Zeit einen Schritt zurückzutreten, statt in unmittelbarer Nähe des Beklagtenfahrzeugs zu verharren und auf seinem Anliegen zu bestehen.

Nach all dem überwiegt die Verantwortung des Klägers für den Vorgang derart, dass derjenige des Beklagten – auch unter Einbeziehung der Betriebsgefahr seines Pkw – dem gegenüber zurücktritt. Ein Anspruch auf Ersatz materieller und/oder immaterieller Schäden besteht danach nicht.“

Rechthaberei und Erziehungsmaßnahmen, gepaart mit Rücksichtslosigkeit und Gewalt haben im Straßenverkehr nichts verloren. Insofern ist dem Urteil des LG Karlsruhe zuzustimmen. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass bei Gewaltanwendungen im Straßenverkehr auch durchaus die Fahrerlaubnis in Gefahr geraten kann, denn wer sich so verhält zeigt, dass er ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist.