Herr E. hatte einen unverschuldeten Unfall. Er beauftragte einen Sachverständigen, der Reparaturkosten feststellte in Höhe von 3.147,03 €.
Wie dies inzwischen sehr häufig ist, beauftragte die Versicherung, die den Schaden zu regulieren hatte, eine Prüfstelle. Diese hat die Aufgabe, zu kürzen, wo es nur geht. Diese Prüfer haben das Fahrzeug nie gesehen, ein Name taucht nicht auf. Im konkreten Fall übersandte die Versicherung den Prüfbericht mit Abzügen von 1.103,75 € mit folgenden Anmerkungen:
Zunächst hatte die Prüfstelle darauf verwiesen, dass es eine günstigere Reparaturmöglichkeit gebe und eine entsprechende Werkstatt benannt. Die Rechtsprechung hat vor einiger Zeit diese Kürzungen bei Fahrzeugen, die älter als drei Jahre sind, abgesegnet. Die Kürzung im konkreten Fall belief sich auf 381,25 €. Kalkuliert waren vom Sachverständigen, den Herr E. beauftragt hatte, 838,75 €. Bei den Lackarbeiten wurden von 1.417,46 € 533,51 € abgezogen mit dem Hinweis, dass bestimmte Arbeitspositionen nicht erforderlich seien. Des Weiteren wurde behauptet, dass aufgrund der heutzutage verwendeten Lackmaterialien bestimmte Arbeitsgänge gar nicht erforderlich seien.
Durch einen Zufall wusste ich aus einem anderen Fall, dass die Angaben zu den Arbeitswerten der Referenzfirma, die angeblich billiger arbeiten würde, nicht stimmen. Dies hatte ein anderer Sachverständiger ermittelt. Nach Vorlage des Schreibens des Sachverständigen, welches die richtigen Arbeitswerte enthielt, hat die Versicherung die fehlenden 1.103,75 € bezahlt, also auch die Abzüge bei der Lackierung.
Man könnte nun daran denken, dass sich die Versicherung dafür entschuldigt, dass in krasser Weise versucht wurde, einen Geschädigten um seine berechtigten Ansprüche zu bringen. Natürlich kein Wort von einer Entschuldigung!
Mittlerweile war auch die Stellungnahme des Sachverständigen zu den Lackarbeiten eingegangen, dieser hatte einfach nur die Herstellervorgaben vorgelegt, aus denen sich ergab, dass das Sachverständigengutachten richtig war. Also auch in diesem Bereich, der Versuch, berechtigte Ansprüche zu kürzen.
Was kann man daraus lernen? Eigentlich war in diesem Fall ein ganz einfacher Unfall zu regulieren. Auch dabei kann man sehr viel Geld verlieren, wenn man glaubt, ohne professionelle Hilfe auch einen einfachen Schaden regulieren zu können. Hätte sich der Geschädigte darauf eingelassen, dass ein Gutachter der Versicherung die Schadensbegutachtung durchgeführt hätte, dann wäre er Gefahr gelaufen, dass eine Schadensposition von über 1.000,00 € nicht im Gutachten enthalten gewesen wäre – und er hätte es nicht einmal gemerkt, dass etwas unberechtigt abgezogen wurde.