Als Erklärung für ein Fehlverhalten im Straßenverkehr wird nicht selten von einem Betroffenen angegeben, dass er geblendet worden sei. Tatsächlich ist es aber nur äußerst selten, dass man sich hierauf berufen kann. Wie schwierig es ist, sich auf Blendung zu berufen, zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Dortmund vom 28.02.2017, AZ: 729 OWi-250 Js 147/17-49/17. Herr B war mit seinem Pkw unterwegs. Unmittelbar vor Einmündung der F-Straße stand ein anderes Fahrzeug leicht schräg gestellt in Richtung von Herrn B. Dieser Fahrzeugführer hatte das Abblendlicht eingeschaltet und blendete Herrn B. Dieser konnte die Lichter des ihn blendenden Fahrzeuges bereits etwa 50 m vor dessen Erreichen wahrnehmen. Trotz der Blendung fuhr er mit ungeminderter Geschwindigkeit weiter und fuhr auf das an der Einmündung der F-Straße, und damit unmittelbar hinter der blendenden Stelle, stehende Fahrzeug eines anderen Verkehrsteilnehmers auf.

Herr B verteidigte sich damit, dass er aufgefahren sei, weil er das andere Fahrzeug wegen der Blendung nicht habe sehen können.

Hierzu hat das Gericht ausgeführt:

„Die Blendung des Betroffenen durch ein bereits weit vorher erkennbar mit Abblendlicht am Fahrbahnrand parkendes Fahrzeug entschuldigt den Betroffenen bei einem Unfall, der ohne Blendung ohne Weiteres hätte vermieden werden können, nicht und nimmt auch nicht den ihm zu machenden Fahrlässigkeitsvorwurf. Vielmehr muss ein Fahrzeugführer seine Fahrweise derartigen Umständen anpassen und notfalls gar anhalten. Keinesfalls darf er ohne jede Sicht ins Blaue hinein fahren in der Hoffnung, es werde „hinter dem Licht“ schon nichts passieren.“

Genau das ist es, was in Fällen, in denen Blendung eine Rolle spielen soll, immer wieder demjenigen, der geblendet wurde, vorgehalten wird. Wenn er geblendet wird und nichts mehr sieht, darf er nicht einfach weiterfahren. Er muss auf diese Situation reagieren, jeweils den Verkehrsverhältnissen entsprechend.