Bis zu den Oberlandesgerichten hin gibt es eigentlich keine andere Meinung mehr, als dass ein Unfallgeschädigter das Recht hat, sich einen Anwalt zu nehmen und die gegnerische Haftpflichtversicherung den Anwalt bezahlen muss. Bei hälftiger Haftung errechnet sich die Kostenrechnung nach dem Gegenstandswert der tatsächlichen Zahlung, aber diese Kosten sind auch dann zu 100 % zu bezahlen.

Gleichwohl versuchen es immer wieder Versicherungen, so kürzlich die Württembergische Gemeinde-Versicherung, die einem im sozialen Bereich tätigen eingetragenen Verein nach einem Unfallschaden die Anwaltskosten nicht zu bezahlen.

Hierzu hat das Amtsgericht Reutlingen in einem kürzlich ergangenen Urteil – AZ 14 C 520/18 Folgendes ausgeführt:

„Die Einschaltung eines Rechtsanwaltes ist regelmäßig erforderlich. Bei der Abwicklung von Verkehrsunfällen spielt nicht nur die Frage der Haftungsverteilung eine Rolle, sondern insbesondere auch Fragen zur Schadenshöhe, die vielfach streitig sind. Daher ist es grundsätzlich gerechtfertigt, mit der Regulierung einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Insbesondere wird Akteneinsicht in die Ermittlungsakte nur dem Rechtsanwalt gewährt.

Eine Ausnahme gilt unter Umständen dann, wenn der Geschädigte aufgrund seiner rechtlichen Kenntnis – etwa bei Unterhalt einer Rechtsabteilung – und seiner Geschäftsgewandtheit imstande ist, eine Abwicklung in jedem Fall selbst mit Erfolg vorzunehmen. Ein solcher Ausnahmefall ist hier nicht gegeben. Vorliegend handelt es sich auch nicht um einen einfach gelagerten Fall, bei dem kein Zweifel an der Ersatzpflicht des Schädigers besteht. Insbesondere kann aus dem vorliegend unstreitigen und unproblematischen Regulierungsverhalten des Haftpflichtversicherers nicht nachträglich darauf geschlossen werden, dass es aus Sicht des Geschädigten keinerlei Probleme bei der Regulierung – auch nicht zur Höhe einzelner Schadenspositionen – geben würde. Vielmehr kommt es auch bei vermeintlich einfachen Unfallkonstellationen und eigentlich eindeutigen Schadenspositionen immer wieder zu mehr oder weniger begründeten Einwendungen und Kürzungen durch die Haftpflichtversicherer, was aus Sicht des Geschädigten nicht vorhersehbar ist. Es mag vielfach eher die Folge der sofortigen Einschaltung eines Rechtsanwaltes sein, dass sich die anschließende Regulierung des Schadens unproblematisch gestaltet.“