REUTLINGEN. »Schauen wir uns dieses Bild an, es zeigt eine Handvoll Coltan«, erklärte Tom Nagl vergangene Woche im Saal der Kreissparkasse Reutlingen. »Dieses bisschen Dreck ermöglicht unsere Gesellschaft«, so der vielseitig engagierte Mitarbeiter des Entwicklungspädagogischen Informationszentrums (EPiZ).
Schlagwörter wie Ressourcenknappheit, seltene Erden, Ausbeutung und Hungerlohn - »wer verbindet wohl diese Dinge mit seinem Smartphone«, ergänzte Nagl am Abend der Abschlussveranstaltung zur landkreisweiten »Handy-Sammelaktion«. 


Von März bis Oktober konnten fast 300 Kilogramm Handys in einer Gemeinschaftsaktion aus den Schubladen Richtung Wiederverwertung an den Start gebracht werden. Zwar seien es gerade einmal 70 Cent, die dabei pro Handy an Materialwert herausspringen - aber vorrangig geht es bei dieser Aktion auch um die Aufklärung. Als alternative Beschaffungsmethode habe sich das Recycling von Handys noch nicht durchgesetzt, so der Moderator, obwohl es zu über 40 Prozent aus (Edel-)Metallen besteht. 


Rund 1,8 Milliarden Handys kaufen die Menschen weltweit jährlich. Durchschnittlich sechs ungenutzte Mobiltelefone finden sich dabei pro Haushalt nicht mehr in Benutzung. Vielerorts konnten Passanten und Kunden also während der vergangenen Monate ihr ausrangiertes Handy in einer Sammelbox loswerden.  »Difäm« initiierte das Projekt bereits 2012, der Landkreis Reutlingen, die Stadt, die Klimaschutz-Agentur des Landkreises, die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) und die Kreissparkasse schlossen sich der Aktion dieses Jahr an. Bei der Abschlussveranstaltung zur landkreisweiten Handy-Sammelaktion kamen Fakten auf den Tisch, die einem Gänsehaut bescherten. Für amüsante Minuten war allerdings auch gesorgt.


Die Begoma-Trommelgruppe von Francis Ssentumbwe leitete den Abend mit feurigen Rhythmen ein - zum Abschluß tanzte Mariam Nabisere noch in traditionell-ugandischer Weise dazu, sorgte für lauten Applaus aus dem Zuschauerraum. Auch das Harlekin-Impro-Theater mit Mirjam Woggon, Samuel Zehender und Matthias Weiss ließ vor lauter Witz kein Auge trocken. In einer Gesprächsrunde kamen die »Macher« und Unterstützer zu Wort. Landrat Thomas Reumann, Arno Valin als Vertreter der Stadt, Dr. Gisela Schneider, Direktorin von Difäm, Paul Schlegel, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung und Michael Bläsius, Geschäftsführer der Kreissparkasse Reutlingen bekundeten ihr Interesse an einer nachhaltigeren und rücksichtsvolleren Gesellschaft vereint. Das Repaircafé Reutlingen sorgte zusätzlich an einem Stand für Aufklärung und vor allem für die Langlebigkeit der Smartphones von Anwesenden.