REUTLINGEN. »Glücklich ist nur derjenige, welcher die Ursache der Dinge zu erkennen vermag. Und wir müssen lernen. Müssen es umso mehr, weil gerade unsere Zeit große Forderungen an die Menschen stellt«. Das sagte Laura Schradin im Jahr 1909 in Reutlingen. Große Worte, die aktueller kaum sein könnten. Nun feiert die gleichnamige Schule in der Bismarckstraße 17 150-jähriges Jubiläum.

Anlass genug um zu Feiern. Zum Auftakt gibt es am Freitag, 2. März einen Festakt mit geladenen Gästen im Tonne Neubau. Tags darauf am Samstag, 3. März, sind alle zum »Tag der offenen Schule« eingeladen. In der Zeit von 11 bis 18 Uhr präsentieren die rund 900 Schüler gemeinsam mit den Lehrern das Jubiläumsprogramm. Die Besucher erwartet unter anderem eine Chemie-Show, Theater, Mitmach-Aktionen, Tanz, Ausstellungen und spannende Einblicke in den Unterrichtsalltag. Für die Gaumenfreuden ist bestens gesorgt. Es gibt Leckeres aus den schuleigenen Küchen.


Die Laura-Schradin-Schule ist die älteste Schule ihrer Art in Deutschland. Sie wurde im Jahre 1868 als »Industriezeichenschule für erwachsene Mädchen« gegründet, die halbjährige Zeichenkurse abhielt. Die Schule stand damals im Dienste der blühenden Textilindustrie in Reutlingen und versetzte gleichzeitig junge Frauen in die Lage, sich beruflich zu qualifizieren.
Die Namensgeberin wurde am 7. September 1878 in Reutlingen geboren und hatte ihre beruflichen Wurzeln in der Textilindustrie. Sie arbeitete in einer Webfabrik. Ausgestattet mit einer ausgeprägten sozialen Ader machte sie sich schon früh für die Rechte der Frauen stark. Laura Schradin starb am 8. März 1937 in Tübingen.


Passender kann es kaum keinsein: Denn keine geringere als die Sozialistin Clara Zetkin brachte den 8. März, der als Weltfrauentag bekannt ist, 1910 hierzulande ins Gespräch. Und Laura Schradin stand in Kontakt mit der großen Frauenrechtlerin.