BAD URACH. Der betagte Jubilar präsentiert sich frisch und vital, ist trotz des hohen Alters bereit neue Aufgaben zu übernehmen: 100 Jahre nach der Gründung am 23. Februar 1919 befindet sich der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Bad Urach in einer Phase des Umbruchs. Die Verantwortlichen möchten neue Ideen umsetzen und damit vor allem junge Familien ansprechen. Die Basis wurde mit dem Schau- und Lehrgarten am Unteren Galgenberg gelegt, auch mit dem Apfelfest setzte der Verein neue Akzente. Verantwortlich für die beiden Projekte waren Vorstandsmitglieder Fritz Bader und Günther Wurster, deren Verdienste von Bürgermeister Elmar Rebmann bei der Jubiläumsfeier gewürdigt wurden: »Es ist Zeit, ihnen wenigstens symbolisch etwas zurückzugeben.«

»Man kann auf sie zählen, auf sie ist Verlass«

Fritz Bader, der 1968 dem OGV beigetreten ist, wurde zu seiner Überraschung mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. »Mit seiner ausgleichenden Art hat er viele Hindernisse aus dem Weg geräumt«, unterstrich der Bürgermeister, das gelte auch für sein Wirken im Gemeinderat von 1975 bis 2002. Auch Günther Wurster engagiert sich in Bad Urach in vielfältiger Weise, übernahm beim TSV Urach viele Funktionen. Gemeinsam mit Fritz Bader übernahm der derzeitige Finanzvorstand Führungs-Verantwortung in nicht ganz so guten Zeiten – dank der zupackenden Initiative der beiden Ehrenämtler hat sich der OGV wieder stabilisiert. Günther Wurster wurde – auch er wusste nichts von der Ehrung – für sein vielfältiges Engagement von Bürgermeister Rebman mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.

»Man kann auf sie zählen und auf sie ist Verlass.« Auch der Verein selbst wurde im Rahmen der Jubiläumsfeier ausgezeichnet, die Präsidentin des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft (LOGL) überreicht dem Vorsitzenden Eberhard Kächele die Vereinsmedaille: »Einen Verein über 100 Jahre am Leben zu erhalten erfordert viel Engagement«, unterstrich Sigrid Ehrhardt. »Dafür bedarf es immer an guten Personen an der Verbandsspitze.« Einst aus der Not von Obstbauern gegründet, wandelte sich das Ziel im Lauf des Jahrhunderts: Heute wird einerseits fundiertes Fachwissen beispielsweise über den Baumschnitt vermittelt, praktische Erfahrungen weitergegeben und vor allem Kindern Wissenswertes über Obst und Gemüse beigebracht. Speziell für Letzteres gab’s ein Lob vom Bürgermeister, denn: »Es gibt Kinder, die noch nie Träuble oder Stachelbeeren gesehen haben.«

Den Nachwuchs frühzeitig ins Boot holen

Wie in vielen anderen Vereinen fehlt es dem OGV an Nachwuchs, der sich einbringt. Doch die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass der OGV eine Zukunft hat. Denn es gibt viel zu tun mit Blick auf die kleine Gartenschau, die 2027 in Bad Urach stattfindet: Da möchte sich der Verein auf jeden Fall schon im Vorfeld federführend mit einbringen. Doch zunächst wurde im Bürgersaal der Schloßmühle das Jubiläum gefeiert, als Referent war TV-Gärtner Volker Kugel zu Gast. Auch der Leiter des Blühenden Barocks in Ludwigsburg sollte dem Uracher OGV Respekt: »Es ist eine gewaltige Aufgabe, einen Verein so lange am Laufen zu halten.«                                                                                                                                                                            –oec